16. August 2015

Hippies, Surfer und Traumstrände in Uvita

Heute wollte ich Dominical endlich den Rücken kehren und etwas anderes sehen. Es war schön, aber durch den Swell konnte ich weder schwimmen, noch surfen und ich war mir sicher alles gesehen zu haben. Deswegen stand ich schon um 5 Uhr auf.
Ich wollte meinen Rucksack neu packen, costa-ricanische Kaffeemaschineauschecken und unbedingt den ersten Bus nach Uvita erwischen. Klingt viel stressiger, als es war! Der Rucksack war schnell neu sortiert. Nur mit dem Auschecken klappte es nicht so recht, denn um 7 Uhr war noch keiner von den extrem gechillten Personal da. Die deutsche Ordnung hielt mich dazu an zu warten und mir derweil einen Kaffee in der provisorischen Freiluftküche zu kochen. Ich mochte die costa-ricanische Art Kaffee zu kochen. Man kocht sich etwas Wasser, füllt derweil einen strumpfartigen Baumwollfilterbeutel mit Kaffeepulver und hängt ihn in die
Öffnung eines simplen Holzgestells. Unter das stellt man eine Kanne und kippt das heiße Wasser, von oben, durch den Filterbeutel. Simpel und effektiv – gefällt mir – und nebenbei auch lecker! Drum nahm ich mir tags zuvor auch einen solchen Filter mit, die es für umgerechnet 50-60 Cent im Minimarkt um die Ecke gab und zu allem Vorteil noch wiederverwendbar sind! – Das wäre jetzt eine gute Stelle für einen Werbelink, oder? 😀 –

Nachdem ich den Kaffee genossen und in Ruhe alles wieder sauber machte, war es auch schon um acht. Acht Uhr fünfunddreißig sollte der Bus Richtung Süden durchfahren und ein paar Gehminuten entfernt vom Hostel halt machen. Ich erwog den Schlüssel zum Dorm, in dem ich eh alleine war, irgendwo zu deponieren, wo man ihn definitiv finden würde. Die deutsche Ordentlichkeit und Regelkonformität stand mir dabei zugegeben im Weg. Allein schon aus Versicherungstechnischen Gründen kann man einen Zimmerschlüssel nicht einfach so, irgendwo hin stecken und verduften – dachte ich mir neben ein paar anderen Dingen… Ein paar Minuten vergingen bis ich zu dem Entschluss kam, das läuft schon. Alle sind unkompliziert, da wird das wohl funktionieren. Außerdem hatte ich keinen Ausweis beim Check-In angegeben. Kurz um hielt ich es für das Beste, den Schlüssel inklusive Band einfach an das Schloss der großen Hintertür zu wickeln. Wer die Kette samt Schloss entfernen wollte, musste meinen Schlüssel auffallen. Anderen, etwa Leute von außerhalb war der Blick zu dieser Tür versperrt. Insofern keine schlechte Lösung, nur zu ordnen mussten sie ihn noch… – im Nachhinein grandios, worüber man sich so Gedanken macht, im Kontrast zu anderen Aktionen bei denen durchaus mehr Berechtigung bestand –

Nach dem der Check-Out also vollzogen und ich auf dem Weg zur Bushaltestelle war, merkte ich schon, dass dieser Tag ordentlich heiß werden würde. Es war keine einzige Wolke am Himmel zu sehen, ebenso wenig wie ein schattiges Plätzchen an der Bushaltestelle. Also wartete ich die knappe halbe Stunde und lenkte mich damit ab, vorbei fahrende Autos zu mustern. Es war wohl auch gerade kurz vor Schulbeginn, da viele Schulkinder in ihren „schicken“ Schuluniformen und Lunchboxen unterwegs waren. Der Bus war aus Quepos war pünktlich und mithilfe des Busfahrers verstaute ich das Board im Bauch des Busses. Außerdem versuchte ich ihm zu sagen, dass ich in Uvita raus möchte und ob er mir bitte bescheid geben könne, wenn wir dort halten. Diesmal fuhr ich mit einem Regionalbus, der alle paar Kilometer anhielt um jemanden vom Straßenrand aufzupicken. Der Bus war ziemlich voll, dennoch war es angenehm und vor allem interessant. Denn ich war diesmal der einzige Auswärtige, alle anderen waren Einheimische. Die meisten waren wohl auf dem Weg zur Arbeit. Dabei wurde rege erzählt und sich ausgetauscht, da hier in der Region bestimmt jeder irgendwie kennt, aber sich durch die entlegenen Siedlungen kaum sieht. Meine Blicken fixierten sich immer wieder auf zwei Gauchos, die sicher schon die Siebzig erreicht haben. Sie trugen karierte Arbeitshemden, abgewetzte Jeans und alte Cowboy-Stiefel. Einer von ihnen noch einen weiten Cowboy-Hut. Sie sahen nicht aus wie Wild-West-Italiano-Filmstars, sondern eben wie Latein-Amerikanische Rancher. Es begeisterte mich die Leute so natürlich zu sehen. Gleichermaßen war es beruhigend. Ich war da wo ich sein wollte, mittendrin und nicht in einer hübsch gemachten Touri-Meile. Ich konnte Eindrücke von Latein-Amerika sammeln und genoss es. Wunderschön war auch die Route von Dominical nach Uvita, sie ist nicht lang, führt aber direkt an der Küste entlang. Wenn die Sicht nicht durch Urwälder oder Farmen „versperrt“ wird, blickt man von der großen Passstraße, die etwa 80-100 Meter über dem Meeresspiegel liegt, auf die Weiten des Pazifik. Zu oft dachte ich, „Mensch im Grunde genommen, kannst du von hier, direkt nach Hawaii oder Tahiti schwimmen… “

 

Nach einer Weile, kamen wir in Uvita an. Achtsam versuchte ich den Ortsbeschilderungen zu folgen, falls der Busfahrer mich doch nicht verstanden hatte. Aber er gab mir die Bestätigung. „Hey, das hier ist Uvita, du wolltest doch hier raus!“ … „¡Si, claro! ¡Muchas Gracias Señor!“ Mit Sack und Pack raus aus dem Bus, das Surfboard geschnappt und zack realisiert, dass ich gar keinen Plan habe, wo das Hostel liegt zu dem ich möchte. Ich habe nicht einmal nachgeschaut, weder im ultra praktischen analog Führer aus Papier, noch im Smartphone, während ich Wifi hatte – und ich war positiv von mir überrascht! Ich wusste wahrscheinlich unterbewusst, es würde auch so irgendwie klappen. Der Plan zu wissen, wo ich hinwollte sollte schlicht genügen. Das wie ergibt sich. Deshalb fragte ich um die Ecke an einer kleinen Bar, eine Tica, die dort gerade den Laden öffnete. Sie erklärte mir auf spanisch, dass ich zwei bis drei Kilometer weiter entlang der Hauptstraße laufen solle, dann rechts an einem großen roten zu-verkaufen-Schild abbiegen und danach die erste Abzweigung in eine unbefestigte Straße nehmen soll. Dann einfach so weit gehen bis ich ankomme.

Surfer ShadowIch lief los, mit Backpack auf dem Rücken, 7-feet mini-Malibu unterm rechten Arm und Wasserflasche in der linken Hand. Mittlerweile war es halb zehn und brütend heiß, noch immer keine Wolken, aber eine erbarmungslose Sonne. Die großen alten amerikanischen Peterpilt und Mack Trucks dröhnten zwei, drei Meter an mir vorbei, manchmal auch weniger. Der einzige Windzug der mir gegönnt war. Nach zehn Minuten und rund zwei Kilometern, kam ich an einer Ansammlung von Geschäften an. Da hier auch irgendwo der Abzweig kommen sollte, beschloss ich erst einmal zu frühstücken und bei der Gelegenheit noch ein paar Informationen zum Weg einzuholen. Tortillas und Eistee morgens halb zehn in Costa Rica – genau das was ich brauchte!

Dann ging es wieder auf in die Glut. Ich bog rechts am “Se vende”-Schild, auf eine etwas kleinere asphaltierte Straße ab, die in Richtung Küste verlief. Ich lief und lief, bis nach etwa anderthalb Kilometern der Abzweig kam. Auf einen unbefestigte Dorfstraße. Ich dachte, dass ich es doch endlich mal geschafft haben müsste, aber es waren noch einmal gute anderthalb Kilometer. Die sich durch Trink- und Verschnaufpausen ordentlich hinzogen. Dennoch war es schön einfach so daher zulaufen. Niemand auf der Welt wusste wo ich war, außer vielleicht Google und der NSA. Alles was ich brauchte, hatte ich auf meinen Schultern. Es war heiß, aber ich liebe dieses Klima und die Natur war traumhaft. Es fühlte sich verdammt gut an – ziemlich frei. Trotzdem war ich ähnlich stolz und erleichtert, wie nach einem Trainingslauf über 10km, als im Flutterby House ankam. Mein T-Shirt war komplett durchtränkt und Schweißperlen sammelten sich in meinem Gesicht zu kleinen Rinnsalen. Man sah es mir an, deswegen bekam ich auch gleich nach dem “Hallo” ein großes kaltes Glas Wasser angeboten.

Das Flutterby House
Das Flutterby House

Ich verstaute all mein Gut im Bereich des Tresens, entspannte eine Weile und sammelte erste Eindrücke der Herberge. Sprichwörtlich wirkte es wie eine Oase in der Wüste. Wunderschön und verdammt kreativ gestaltet, wirkt es wie eine große Chillout-Lounge mit gut gelaunten Leuten aus aller Welt. Der Eingangsbereich bietet Schatten und erstreckt sich zur Rechten zum Tresen, die zu gleich als Bar dient. Linker Hand ist die Internet-Area mit einem Mac für jedermann und Sofas zum Chillen.

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